Mehr Folsäure, weniger Kochsalz und Junk Food!


01/2004, 20.01.2004


Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörden schließen sich zusammen im Kampf gegen Bluthochdruck und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen


Wie in den meisten anderen europäischen Ländern haben Übergewicht und Fettleibigkeit in den letzten 20 Jahren auch in Deutschland dramatisch zugenommen. Zunehmend sind Kinder und Jugendliche betroffen. Vertreter der nationalen Behörden für Lebensmittelsicherheit sowie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben deshalb am 13. Januar 2004 in Paris eine engere Zusammenarbeit in Fragen der Prävention von ernährungsbedingten Krankheiten vereinbart. Das Treffen erfolgte auf Einladung der Agence Francaise de Sécurité Sanitaire des Aliments (AFSSA). Zentrale Themen waren die Vermeidung von Bluthochdruck, Neuralrohrdefekten (offener Rücken) sowie Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen und der Erfahrungsaustausch über nationale Präventionsmaßnahmen. Professor Andreas Hensel, Präsident des BfR, wertete das Treffen als wichtigen Schritt hin zu einer effizienten Vernetzung der nationalen wissenschaftlichen Einrichtungen. „Ernährungsrisiken“, so Hensel, „gehören mit stofflichen und biologischen Risiken von Lebensmitteln zu den zentralen Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes“. Die Bewertung all dieser Risiken steht im Mittelpunkt der Arbeit des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Durch gezielte Initiativen wollen die europäischen Behörden und Institutionen künftig dazu beitragen, dass Übergewicht und die damit assoziierten chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, andere Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus auf nationaler und europäischer Ebene wirksamer bekämpft werden. Das geht nicht ohne die Kooperation der Lebensmittelindustrie und die Hersteller von Gemeinschaftsverpflegung (Caterer). Lösungsvorschläge, etwa zur Verringerung hoher Kochsalzgehalte von Lebensmitteln und Speisen (einem der Risikofaktoren für Bluthochdruck) können nur gemeinsam erarbeitet werden.

Erfahrungen liegen aus Deutschland vor: Seit hier 1988 die Nährwert-Kennzeichnungsverordnung geändert wurde, können Hersteller und Caterer sowohl für niedrige Kochsalzgehalte von Lebensmitteln als auch für reduzierte Gehalte in bestimmten Lebensmitteln, wie Brot, Backwaren, Fertiggerichten, Suppen, Kochwürste, Käse und Käseerzeugnisse, werben. „Neben einer Verringerung der Salzzufuhr und Normalisierung des Körpergewichts“, so Dr. Rolf Großklaus, Leiter der Fachgruppe Ernährungsmedizin des BfR, der in Paris über die Erfahrungen in Deutschland berichtete, „kann auch die Veränderung anderer Lebensstilfaktoren zur Senkung von hohem Blutdruck wirksam beitragen“. Mehr körperliche Aktivität, mäßiger Alkoholkonsum, Verzicht auf Rauchen, Abbau von Stress und reichlicher Verzehr von kaliumreichem Obst und Gemüse gehören dazu.

In Deutschland werden jährlich 600 bis 800 Kinder mit Neuralrohrdefekten geboren. Eine hohe Folsäureaufnahme noch vor Beginn der Schwangerschaft kann diese Zahl verringern. Deshalb sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter auf eine ausreichende Folsäurezufuhr achten. Dies kann über natürlich folsäurereiche Lebensmittel wie Obst und Gemüse und die ergänzende Einnahme von Folsäurepräparaten oder auch über den Verzehr von mit Folsäure angereicherten Lebensmitteln geschehen. Die Möglichkeit der Folsäureanreicherung von Lebensmitteln ist in Deutschland freiwillig. Um die Wirkung von unterschiedlich hohen Anreicherungen auf die Folsäureversorgung verschiedener Bevölkerungsgruppen besser abschätzen zu können, arbeitet das BfR derzeit gemeinsam mit dem Berliner Robert Koch-Institut und dem Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund, auf der Basis existierender Verzehrsdaten an einer Risikobewertung. Darüber hinaus empfiehlt das BfR, die individuelle Zusatzversorgung von Frauen im gebärfähigen Alter mit Folsäure durch nationale Kampagnen zu fördern, um Neuralrohrdefekten bei Neugeborenen damit noch gezielter vorzubeugen.

Die nationalen und europäischen Behörden haben die Ergebnisse ihres Treffens in einer gemeinsamen Stellungnahme zusammengefasst. Die Stellungnahme ist dieser Pressemitteilung im Wortlaut angefügt.



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