Sichere Bergung des Frachters „MSC Flaminia“ durch erfolgreiche Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Industrie


33/2012, 09.10.2012


BfR unterstützt zum ersten Mal das Netzwerk deutscher Einrichtungen zur Havariebekämpfung auf See


Zwei Monate nachdem mitten auf dem Atlantik ein Feuer auf dem Containerschiff „MSC Flaminia“ ausgebrochen war, können nun Aufräumarbeiten in sicherer Hafenlage im Jade-Weser-Port erfolgen. Dank der erfolgreichen Arbeit des Havariekommandos und weiterer einbezogener Fachkräfte aus verschiedenen Einrichtungen Deutschlands gelang die Bergung ohne weitere Schäden. Der Eintrag von Schadstoffen in die Nordsee und den Jadebusen wurde verhindert. Das Havariekommando in Cuxhaven ist eine gemeinsame Einrichtung von Bund und Ländern, die bei einer Schadenslage die Leitung des Einsatzes aller deutschen Stellen übernimmt und durch Kräfte aus Bundes- und Landeseinrichtungen kurzfristig verstärkt werden kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstellte für das Havariekommando Bewertungen der gesundheitlichen Gefahr, die von der Ladung ausgeht und sorgte für einen offenen Informationsaustausch mit den Umweltverbänden während der Bergung. „Es war das erste Mal, dass das BfR auf diese Weise bei einem Havariefall auf See direkt in das Netzwerk deutscher Einrichtungen zur Havariebekämpfung auf See eingebunden war“, erläutert BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. “Die Organisation der Bergung durch das Havariekommando hat sich im Fall MSC Flaminia bewährt. So konnte die fachliche Kompetenz in Deutschland zum Gefahrguttransport und zu Seenotfällen gebündelt unter Leitung einer Institution erfolgreich eingesetzt werden.“

Die „MSC Flaminia“, ein Containerfrachter unter deutscher Flagge, war im Juli auf dem Weg von Charleston (South Carolina) über England und Belgien nach Bremerhaven. An Bord des Schiffes befanden sich rund 2800 Container, viele davon 12 Meter lang, Aus noch ungeklärter Ursache brach mitten auf dem Atlantik ein Feuer im Laderaum aus. Bei den Löscharbeiten barsten einige Container explosionsartig. Ein Seemann starb, ein weiterer wird seither vermisst. Am 14. Juli 2012 sendete das Schiff einen Notruf, Besatzung und Passagiere wurden daraufhin evakuiert. Das Feuer in der Ladung konnte trotz Bekämpfung durch Bergungsschlepper über Wochen nicht vollständig gelöscht werden. Da kein europäisches Küstenland einen Notliegeplatz bereitstellte, an dem die Situation auf dem Schiff entschärft werden konnte, entschloss sich Deutschland als Flaggenstaat, den Frachter zu übernehmen. Am 20. August 2012 wurde das Havariekommando mit der Sicherung und Bergung des Schiffes beauftragt.

Das BfR war als Institution für die gesundheitliche Bewertung giftiger und ätzender gefährlicher Güter an der sicheren Rückführung des havarierten Frachters durch das deutsche Havariekommando beteiligt. Es erhielt vom Havariekommando den Auftrag, die Gefahren  zu identifizieren und zu bewerten, die von jedem der über 150 an Bord befindlichen Gefahrgutcontainern ausgehen und als Vorsorgemaßnahme Erste-Hilfe-Hinweise zu den Containern bereitzustellen.

Bereits in den ersten Tagen wurde im BfR zusätzlich die gesamte Liste der nicht als Gefahrgut deklarierten Container auf potentiell gefährliche Inhalte geprüft. Dadurch sollten alle an Bord befindlichen möglicherweise gesundheitsschädlichen Güter erfasst werden, um beim Havariekommando belastbare Gefahrenabschätzungen in Bezug auf die Ladung zu ermöglichen. Dies gelang durch eine enge Anbindung an die Arbeiten des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems der deutschen chemischen Industrie (TUIS). TUIS stellte Sicherheitsdatenblätter zu den Produkten zur Verfügung, die sich in den als Gefahrgut deklarierten Containern befanden.

Das BfR fungierte auch als Bindeglied zwischen der Umweltexpertengruppe (UEG) unter Leitung des Bundesumweltministeriums in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium und den Umweltministerien der fünf Küstenländer. Die UEG, in der auch das BfR vertreten ist, stand dem Havariekommando beratend zur Seite. In Absprache mit dem Bundesumweltministerium unterstützte das BfR die Kommunikation zwischen Havariekommando und Umweltverbänden.

Ende August 2012 bestanden in der Öffentlichkeit Befürchtungen, dass die Ladung gefährlicher als bis dahin bekannt wäre. Erst die Auswertung der Ladepapiere im BfR erlaubte eine realistische Einschätzung. Die „MSC Flaminia“ beförderte im Vergleich mit anderen auf dieser Route fahrenden Schiffen Container mit eher weniger gefährlichem Frachtgut. Die Stauung dieser Container entsprach der vorgegebenen Strategie der Seegefahrgutvorschriften. Die Bezeichnung vermeintlich unspezifischer Sammelpositionen entsprach den internationalen Vorschriften und deutete nicht auf gefährliche Abfälle hin. Nach diesen Vorschriften müssen für speziell synthetisierte Stoffe oder Mischungen aus der chemischen Industrie Sammelbezeichnungen wie „ätzende feste Stoffe“ verwendet werden, wenn die Stoffe oder Mischungen keine eigene Gefahrgutnummer der Vereinten Nationen besitzen. Das Verzeichnis der gefährlichen Ladung zeigte keine Auffälligkeiten gegenüber den üblicherweise im internationalen Containerverkehr transportierten Gütern. Das Beräumen des Brandbereichs auf der „MSC Flaminia“ und die Bergung der beschädigten Container muss nach Auffassung des Havariekommandos durch Spezialisten erfolgen, die insbesondere auch mit den Risiken der Gefahrgutcontainer kompetent umgehen können. Durch die Identifikation der Gesundheitsrisiken und die Bereitstellung von Erste-Hilfe-Empfehlungen für jeden einzelnen an Bord befindlichen Gefahrgutcontainer können diese Arbeiten unter einem zusätzlichen Sicherheitsnetz erfolgen.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.



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